13. Juli 2021

Upcycling by Design!

Lässt sich aus über hunderten alten Schreibtischen einer Schweizer Firma etwas Neues machen? Dass danach auch noch stylisch ausschaut und in Nutzen und Funktion ein Bedürfnis erfüllt? Für Björn Ischi und Girsberger Remanufacturing eine einzigartige Designherausforderung.

Der pandemiebedingte Ausnahmezustand Homeoffice ist längst zur Normalität geworden. Büros werden auf die neuen Bedürfnisse hin umgestaltet und alte Büromöbel ausrangiert. Im Zentrum stand also die Frage, wie aus vielen alten Bürotischen etwas Neues, Praktisches und Funktionales fürs Homeoffice werden könnte. Girsberger Remanufacturing setzte sich für diese Aufgabenstellung mit dem Industrial Designer Björn Ischi zusammen und gemeinsam erschufen sie ein Möbelstück, das ganz auf diesem Nachhaltigkeitsgedanken basiert.

Produktfokus und Idee

Die alten MDF-Tischplatten wurden filetiert und so 70 % für die neue, ergonomische Tischplatte wiederverwendet. Das Untergestell für den Homeoffice-Tisch ist ein filigranes und klappbares Rundrohrgestell. Dieses wird mit Hilfe eines Transport- und Spanngurtensets stabilisiert bzw. einfach transportierbar. Ergänzend kommt ein Tischeinsatz aus dem gleichen Material hinzu, das in zwei Positionen in der Tischfront eingesetzt werden kann.

Verarbeitung

Bei der Verarbeitung wurde stark darauf geachtet, dass die Produktionsabläufe so ressourcen- aber auch kosteneffizient wie möglich sind. Durch diese Prozessoptimierung muss im Nachgang nichts mehr von Hand bearbeitet werden. Die Gurten sind neu, sicherheitsgeprüft und entsprechen der Norm. Die Rundrohre und die Lackierung sind zertifiziert kommen von Girsberger. Auch in der Logistik wurde auf Ressourceneffizienz geachtet. Die Abholung des Materials wurde in einem Mal organisiert, ebenso die Lieferung der neuen Tische. Die Bedienungsanleitung und Informationen sind auf die rezyklierbare Verpackung gedruckt.

Upcycling by Design

Beim Upcycling geht es darum, das Potenzial eines scheinbar nicht mehr brauchbaren Produkts oder Gegenstandes zu entdecken. Nicht alles kann, aber möglichst viel sollte dabei wiederverwendet werden. «Upcycling wird oft noch mit Recycling verwechselt, also alt und ausgedient, höchstens das Material kann noch zurückgewonnen werden. Aber ich möchte zeigen, dass mit dem Fokus Wiederverwendung schon in der Konzeptphase und durch Produktdesign etwas wirklich Neuwertiges entstehen kann», erklärt Björn Ischi und fügt an «Gerade dieses Beispiel zeigt sehr gut wie grundlegend Design ist». Upcycling-Produkte erhalten durch diesen Design-Prozess ein neues ästhetisches und haptisches Erscheinungsbild welches in unsere Gesellschaft auch als «neu» akzeptiert wird. Dabei wird auch der wirtschaftliche Aspekt des Produktes in Entwurf und Entwicklung mitberücksichtigt. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist selbstredend Voraussetzung, dass Upcycling mehrheitsfähig wird.

Ein neuer Homeoffice-Tisch

Diese pfiffige neue Möbellösung ist werkzeuglos auf- und abbaubar und steht den Mitarbeitenden nun für die eigenen vier Wände zur Verfügung. Wird der Tisch mal nicht gebraucht, kann er ganz einfach zusammengeklappt und platzsparend verstaut werden. Auch die Ergonomie ist ein wichtiges Thema, der Tisch ist in drei Höhen einstellbar. Auch auf weitere Details, wie die Kabelführung und «Wohlfühlkante» wurde geachtet. Durch einen leichten Radius liegen die Unterarme bzw. das Handgelenk angenehm auf der Tischkante auf und sind damit entlastet. Ebenfalls ist über die ganze Tischbreite eine Rille eingefräst, die für Schreib- und andere Utensilien genutzt werden kann.

Der Stahlrohr-Tischeinsatz stabilisiert nicht nur den Tisch, sondern dient auch als Halterung für Kabel und verschiedene Magnet Tools. Das Gurten-Spannset kann um diesen Tischeinsatz gewickelt werden. So entstehen Einschub Nischen, die kreativ, z.B. für Karten, Ladegeräte, Schreiber und anderes genutzt werden können.

Gutes Design ist das Ziel

Dieses Projekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, ökologisch nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die auch gestalterisch und qualitativ auf höchstem Niveau sind. Dazu braucht es einen gut strukturierten Designworkshop mit Experten und klare Zielsetzungen. Im Rahmen von Designsprints und Prototyping werden anschliessend Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Verarbeitung umgehend sichtbar. Durch dieses iterative Vorgehen und die enge Zusammenarbeit können solche Projekte innert Kürze realisiert werden.

«Thema Umwelt»

Lesen Sie die Fachmagazin-Ausgabe 1/2020 zum Thema Kreislaufwirtschaft.

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Eva-Maria Bauder
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